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Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 vorgestellt

Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020
Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 vorgestellt
Kriminalitätsentwicklung in Wuppertal, Remscheid und Solingen
Zahl der Wohnungseinbrüche im Bergischen Städtedreieck auf einem Allzeit-Tief. Kein Nachlassen bei Ermittlungen gegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

2020 war ein besonderes Jahr. Nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger im Bergischen Städtedreieck, sondern auch für ihre Polizei. Und obwohl Corona naturgemäß das alles überlagernde Thema war, eröffnete Polizeipräsident Markus Röhrl die Pressekonferenz zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 am Montag, 08.03.2021, mit dem Rückblick auf einen anderen Sachverhalt: das Tötungsdelikt an fünf kleinen Kindern in der Hasselstraße in Solingen im September vergangenen Jahres.

„Das war ein Schock und für alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen eine psychische und physische Kraftanstrengung“, schilderte Röhrl. Nach einer solchen Tat gebe es keine „knallharten Ermittler“. Jeden und jede hätten die Geschehnisse betroffen gemacht. Umso wichtiger sei das Zeichen von NRW-Innenminister Herbert Reul gewesen, die Kolleginnen und Kollegen, die damals als erste am Tatort angekommen waren, ins Ministerium nach Düsseldorf einzuladen.

Lob für Verhalten während der Pandemie

Mit Blick auf die Pandemie und ihre Folgen sprach der Polizeipräsident den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeibehörde Wuppertal vor den Medienvertreterinnen und Medienvertretern seinen Dank aus. Bislang hätten sich „nur“ etwas mehr als 60 Kolleginnen und Kollegen mit dem Coronavirus infiziert. Dies zeige, dass die Maßnahmen, die die Behörde seit Ausbruch der Pandemie getroffen habe, wirken. „Die Kolleginnen und Kollegen sind da unglaublich diszipliniert. Dabei ist es nicht einfach, bei jeder Tätigkeit ständig die Maske tragen zu müssen“, lobte Röhrl, ehe er sich den Zahlen der Kriminalstatistik 2020 zuwandte.

Diese präsentieren sich erfreulich: Insgesamt lag die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr bei 44.343 und damit um 2.590 (2019: 46.933) oder 5,5 Prozent niedriger als noch 2019. Die Wahrscheinlichkeit, im Bergischen Städtedreieck Opfer einer Straftat zu werden, ist noch einmal gesunken, wie die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl – Anzahl der Delikte pro 100.000 Einwohner – zeigt. Sie liegt 2020 bei 7087 und damit noch einmal niedriger als im Vorjahr (2019: 7512).  „Die bergischen Großstädte sind ganz klar mit die sichersten in ganz NRW“, stellte der Leiter der Direktion Kriminalitätsbekämpfung Dietmar Kneib fest.

Zahl der Wohnungseinbrüche auf Allzeit-Tief

Herausragend ist dabei die Tatsache, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr noch einmal um 10,6 Prozent auf 589 (2019: 659) und damit auf ein neues Allzeit-Tief gesunken ist. Ebenso erfreulich: Der Trend einer Zunahme von Kindern und Jugendlichen unter den Tatverdächtigen ist offenbar gestoppt. „Das ist mir ganz besonders wichtig. Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche eine vielleicht langjährige kriminelle Karriere einschlagen“, so Kneib, der das Intensivtäterkonzept der Behörde hervorhob. Dies bewahre letztlich nicht nur die Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden davor, sich auf der schiefen Bahn festzufahren, sondern eben auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger vor Straftaten.

Objektiv, das beweisen die Zahlen, leben die Menschen in Wuppertal, Remscheid und Solingen also sicher. Gleichwohl deckt sich die Statistik nicht immer mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Ziel der Kreispolizeibehörde Wuppertal sei es aber, auch dieses subjektive Empfinden zu verbessern, betonten Markus Röhrl und Dietmar Kneib einhellig. „Das geht vor allem über Präsenz“, stellte der Polizeipräsident klar und unterstrich die dahingehenden Konzepte wie „Remscheid – sichere Stadt“, „Sicheres Solingen“ oder „Sichere Stadt Wuppertal West (Elberfeld)“, die den Menschen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Wichtig sei es darüber hinaus, Straftaten der Straßenkriminalität, die im öffentlichen Raum stattfinden und so zu Verunsicherung in der Bevölkerung führen, konsequent zu verfolgen. Dies sei 2020 gelungen, erklärte Dietmar Kneib – trotz eines geringen Anstiegs der Fallzahlen der Straßenkriminalität (+ 25 Fälle oder + 0,25 Prozent). Dieser sei in erster Linie auf mehr Fälle von Taschendiebstählen zurückzuführen. In den meisten anderen Deliktsfeldern der Straßenkriminalität sei dagegen ein Rückgang zu verzeichnen.

Weniger Fälle von Häuslicher Gewalt – doch die Dunkelziffer ist hoch

Welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die Kriminalitätsentwicklung 2020 hatte, macht der Blick auf ausgewählte Deliktfelder deutlich. So ist etwa die Zahl der Fälle von Häuslicher Gewalt entgegen dem Landestrend – und wohl auch entgegen der Erwartung – im Bereich des PP Wuppertal rückläufig (-17 Prozent). Polizeipräsident Markus Röhrl vermutete, dass es sich dabei allerdings nur um einen statistischen Wert handelt. „Es ist zu befürchten, dass das Dunkelfeld in diesem Bereich hoch ist. Durch den Lockdown hatten die Menschen weniger Kontakt zu anderen. Entsprechend fehlte die soziale Kontrolle und es kam zu weniger Anzeigen“, erklärte Röhrl.

Straftaten zum Nachteil älterer Menschen: Betrüger sind flexibel

Im Bereich der Betrugsdelikte und der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen bewiesen die Täter im vergangenen Jahr Flexibilität: Sie versuchten, die angesichts der Pandemie ohnehin große Verunsicherung insbesondere von Seniorinnen und Senioren auszunutzen, und diese beispielsweise mit abgewandelten Formen des Enkeltricks um ihr Erspartes zu bringen. Dietmar Kneib kündigte an, auch in diesem Bereich nicht locker zu lassen. Vor allem durch Prävention könnten die Zahlen hier noch deutlich nach unten gedrückt werden.

Kein Nachlassen bei Ermittlungen gegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Einen auf den ersten Blick dramatischen Anstieg verzeichnete das PP Wuppertal 2020 bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+99 auf nun 690 Delikte). Zwar kam es zu weniger Vergewaltigungen (95 Fälle und damit 10 weniger als im Vorjahr), dafür stieg aber vor allem die Fallzahl bei der Verbreitung pornografischer Schriften. Allein hier wurden 226 Fälle erfasst. Das sind 87 mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei einem zweiten, etwas tieferen Einblick ist diese Entwicklung jedoch erklärbar, betonte der Polizeipräsident. „Dieser Bereich ist ein landesweit wichtiges Thema. Und auch wir beim PP Wuppertal haben uns ausgesprochen stark darauf konzentriert“, machte Röhrl deutlich. Ein höhere Ermittlungsintensität und auch ein höherer Personalansatz führten dazu, dass für die Täter die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden, steige. „Wir werden immer besser. Täter begeben sich deshalb auf ganz dünnes Eis. Und ich kann nur jeden warnen: Lasst die Finger von den Kindern“, ließ Dietmar Kneib keinen Zweifel, den Ermittlungsdruck auch in Zukunft hochzuhalten.  

Hasskriminalität

Befragt zu extremistischen Straftaten, die nicht Gegenstand der Polizeilichen Kriminalstatistik sind, betonte Markus Röhrl die besondere Bedeutung der gezielten Strafverfolgung von Hasskriminalität: „Es kann doch nicht sein, dass jeder in der scheinbaren Anonymität des Internets Beleidigungen, Bedrohungen oder Stammtischparolen posten darf. Und wir merken, dass der Ton immer aggressiver wird. Das nehmen wir nicht mehr hin.“

 

Die detaillierte Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2020 sowie die Zahlen der vergangenen Jahre finden Sie im Downloadbereich auf der rechten Seite.

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